Aqara Presence Sensor FP2 im Praxistest: Lohnt sich Radar statt Bewegung?
Bewegungsmelder gehören zu den nützlichsten Geräten im Smart Home. Aber sie haben ein grundlegendes Problem: Sie erkennen nur Bewegung. Sitzt du still auf dem Sofa und liest, denkt der Sensor, der Raum sei leer — und schaltet das Licht aus.
Der Aqara Presence Sensor FP2 will das lösen. Statt klassischer Infrarot-Technik (PIR) nutzt er mmWave-Radar. Das erkennt nicht nur Bewegung, sondern auch Anwesenheit — selbst wenn du völlig still stehst oder sitzt. Klingt nach einem Durchbruch. Aber hält er, was er verspricht? Wir haben den FP2 vier Wochen lang im Alltag getestet.
Was ist mmWave — und warum ist es besser als PIR?
Klassische Bewegungsmelder arbeiten mit passivem Infrarot (PIR). Sie erkennen die Wärmestrahlung deines Körpers — aber nur, wenn du dich bewegst. Das reicht für einen Flur. Für ein Arbeitszimmer, in dem du stundenlang am Schreibtisch sitzt, ist es unbrauchbar.
mmWave-Radar funktioniert anders. Der Sensor sendet Millimeterwellen aus und analysiert die Reflexionen. Dabei erkennt er sogar minimale Bewegungen wie deinen Brustkorb beim Atmen. Das Ergebnis: echte Anwesenheitserkennung.
| Eigenschaft | PIR (klassisch) | mmWave (Aqara FP2) |
|---|---|---|
| Erkennt Bewegung | Ja | Ja |
| Erkennt Stillsitzen | Nein | Ja |
| Zonenerkennung | Nein | Ja (bis 30 Zonen) |
| Durchdringt Glas | Nein | Ja (Vorsicht: Fehlauslösung) |
| Reaktionszeit | < 1 Sekunde | < 1 Sekunde |
| Preis | 5 – 15 € | ca. 55 – 65 € |
Unboxing und erster Eindruck
Der FP2 kommt in einer kompakten Verpackung. Im Karton: der Sensor selbst (rund, flach, etwa so groß wie ein Eishockey-Puck), ein USB-C-Kabel, eine magnetische Halterung und eine 3M-Klebefläche für die Wandmontage.
Die Verarbeitungsqualität ist solide. Die matte weiße Oberfläche fällt an der Decke oder Wand kaum auf. Kein blinkender LED-Wahnsinn — ein dezentes Design, das sich ins Wohnzimmer einfügt.
Einrichtung: Aqara-App und Apple Home
Die Einrichtung läuft über die Aqara Home App (iOS und Android). Du scannst den QR-Code, verbindest den Sensor mit deinem WLAN (2,4 GHz), und nach etwa zwei Minuten ist er online.
Der FP2 unterstützt Apple HomeKit direkt — ohne zusätzlichen Hub. Für Home Assistant funktioniert die Integration über die HomeKit-Brücke oder direkt über das Matter-Update, das Aqara 2025 ausgerollt hat.
Was uns positiv aufgefallen ist: Die App führt dich durch die Zonenkonfiguration mit einem visuellen Editor. Du legst den Raum als Grundriss an und zeichnest Zonen ein — zum Beispiel „Schreibtisch“, „Sofa“ und „Eingang“.
Zonenerkennung im Detail
Das Killer-Feature des FP2: Du kannst bis zu 30 Erkennungszonen definieren. Jede Zone meldet separat, ob sich jemand darin aufhält. Das ermöglicht Automationen, die mit einem normalen Bewegungsmelder unmöglich wären.
Beispiel-Setup aus unserem Test (Wohnzimmer):
- Zone 1 — Sofa: Wenn besetzt, Stehlampe auf 40 % dimmen
- Zone 2 — Esstisch: Wenn besetzt, Pendelleuchte auf 80 %
- Zone 3 — Eingang: Wenn Bewegung erkannt, Deckenlicht an
In der Praxis funktionierte das nach einer Kalibrierungsphase von etwa zwei Tagen erstaunlich gut. Die Zonen überlappen sich minimal, und der Sensor unterscheidet zuverlässig, ob jemand am Tisch sitzt oder auf dem Sofa liegt.
Alltagstest: Vier Wochen mit dem FP2
Wir haben den Sensor vier Wochen lang im Wohnzimmer betrieben. Hier die wichtigsten Erfahrungen:
Woche 1 — Kalibrierung: In den ersten Tagen gab es vereinzelt Phantom-Erkennungen. Der Sensor meldete Anwesenheit, obwohl der Raum leer war. Nach einer Neukalibrierung über die App (Empfindlichkeit von „hoch“ auf „mittel“ reduziert) verschwand das Problem.
Woche 2 — Feinschliff: Die Zonen brauchten Nachjustierung. Unser Sofa steht nahe am Fenster, und Regen an der Scheibe wurde anfangs als Bewegung erkannt. Lösung: Zone etwas vom Fenster wegziehen.
Woche 3 – 4 — Zuverlässig: Ab Woche drei lief alles stabil. Besonders beeindruckend: Das Licht blieb an, auch wenn wir 30 Minuten still auf dem Sofa gelesen haben. Mit einem PIR-Melder wäre es längst ausgegangen.
Home Assistant Integration
Für Home-Assistant-Nutzer ist der FP2 ein Traum. Die Integration liefert pro Zone separate Entities — du bekommst also nicht nur „Raum besetzt: ja/nein“, sondern kannst jede Zone individuell in Automationen nutzen.
Was du damit bauen kannst:
- Licht folgt dir durch den Raum (Zone für Zone)
- Heizung senkt sich automatisch, wenn kein Bereich besetzt ist
- Medien pausieren, wenn du den Sofa-Bereich verlässt
- Begrüßungsnachricht auf einem Smart Display, wenn jemand den Eingangsbereich betritt
Über die MQTT-Anbindung lassen sich auch die Rohdaten auslesen — etwa die Entfernung und der Winkel erkannter Objekte. Das ist Spielwiese für Fortgeschrittene.
Für wen lohnt sich der FP2?
Nicht jeder braucht einen 60-Euro-Sensor. Hier eine ehrliche Einordnung:
Fazit: Bewertung
Aqara Presence Sensor FP2 — Testurteil
| Anwesenheitserkennung | 9 / 10 |
| Zonenerkennung | 8 / 10 |
| Einrichtung | 7 / 10 |
| Home Assistant Integration | 9 / 10 |
| Preis-Leistung | 7 / 10 |
| Gesamt | 8,0 / 10 |
Preis zum Testzeitpunkt: ca. 59 € (Amazon) | Getestet mit: Home Assistant 2026.2, Aqara App v3.2
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