Ratgeber/433 vs 868 MHz: Funk-Umstellung 2026 bei alten Garagentoren
433 vs 868 MHz: Funk-Umstellung 2026 bei alten Garagentoren

433 vs 868 MHz: Funk-Umstellung 2026 bei alten Garagentoren

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garagentorfunkumruestung

Bis etwa 2010 funkten praktisch alle Garagentor-Fernbedienungen in Deutschland auf 433,92 MHz — ein freies ISM-Band, geteilt mit Wetterstationen, Funksteckdosen und billigen Babyphones. Seit 2010 setzen Hörmann mit BiSecur, Sommer mit Somloq2 und Marantec mit Digital 868 zunehmend auf 868 MHz, ein deutlich aufgeräumteres Band mit höherer Reichweite und Verschlüsselung. Für Besitzer eines alten Hörmann SupraMatic P (vor 2008) oder Marantec Comfort 220 stellt sich die Frage: Umrüsten oder beim 433-MHz-Setup bleiben?

💡 Gut zu wissen: Die Frequenz steht meist auf der Innenseite der Fernbedienung neben der CE-Markierung. Bei Hörmann erkennst du es am Modellnamen: HSE2 und HSM4 ohne BS-Zusatz funken auf 433 MHz, alle Modelle mit "BS" (BiSecur) auf 868 MHz.

Was die Frequenzbänder unterscheidet

433 MHz und 868 MHz sind beide Lizenzfreie ISM-Bänder (Industrial Scientific Medical), aber mit anderen Eigenschaften. 433 MHz hat eine größere theoretische Reichweite — ein Signal kommt bei gleicher Sendeleistung etwa 30% weiter als auf 868 MHz, weil längere Wellen Hindernisse besser umlaufen.

Dafür ist 433 MHz hoffnungslos überlaufen. Praktisch jedes Funkthermometer, jede Funksteckdose und viele Garagentor-Code-Grabber arbeiten auf diesem Band. In dichten Wohngebieten oder Reihenhaus-Siedlungen kommt es regelmäßig zu Reichweiten-Einbrüchen, weil andere Geräte das Band blockieren.

Funk frequenz 433 vs 868 mhz umstellung: practical guide overview
Funk frequenz 433 vs 868 mhz umstellung
Eigenschaft433 MHz868 MHz
Reichweite (frei)bis 200 mbis 150 m
Reichweite (urban)20-50 m40-80 m
Bandbelegungstark überlaufengering belegt
Verschlüsselungmeist Festcode oder einfacher Rolling-Code128-Bit AES möglich (BiSecur, Somloq2)
Code-Grabbing-Risikohoch bei Festcodepraktisch ausgeschlossen
Hindernisdurchdringungbesser durch Beton/Maueretwas schwächer

Wann die Umrüstung Sinn macht

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Es gibt drei Szenarien, in denen eine Umstellung auf 868 MHz lohnt. Erstens: Wenn deine Fernbedienung in der Garageneinfahrt regelmäßig erst auf den letzten Metern reagiert oder mehrmals gedrückt werden muss. Das deutet auf Bandbelegung oder Störungen durch Nachbargeräte hin. Eine Frequenzmessung mit einem RTL-SDR-Stick für 25 Euro zeigt sofort, ob 433 MHz in deiner Straße verstopft ist.

Zweitens: Wenn deine Fernbedienung aus den 90ern noch einen Festcode mit DIP-Schaltern verwendet (typisch bei alten Sommer 4020 oder Marantec D203). Solche Codes lassen sich mit einem 80-Euro-Code-Grabber innerhalb von Sekunden mitschneiden und replizieren — ein bekanntes Einbruchsmuster bei freistehenden Garagen.

Funk frequenz 433 vs 868 mhz umstellung: step-by-step visual example
Funk frequenz 433 vs 868 mhz umstellung

Drittens: Wenn du sowieso einen neuen Antrieb anschaffst. Alle aktuellen Hörmann-, Marantec- und Sommer-Antriebe ab Baujahr 2018 setzen auf 868 MHz und Rolling-Code-Verschlüsselung. Eine Mischinstallation mit altem 433-Empfänger und neuem 868-Antrieb funktioniert nicht — die Empfangsplatine im Antrieb ist fest auf eine Frequenz festgelegt.

⚠️ Häufiger Fehler: Viele Hausbesitzer kaufen 868-MHz-Fernbedienungen und wundern sich, dass sie am alten 433-Empfänger nicht funktionieren. Die Frequenz muss an Sender UND Empfänger identisch sein. Eine reine Sender-Umrüstung ohne neuen Empfänger ist sinnlos.

Wie die Umstellung praktisch läuft

Bei Hörmann ist die Migration vorbereitet: Für SupraMatic-Antriebe ab Baujahr 2008 gibt es Nachrüst-Empfänger HER 1 BS oder HER 2 BS für 60 bis 90 Euro, die einfach parallel zum alten 433-MHz-Empfänger an den Steuerklemmen verkabelt werden. Danach laufen alte und neue Fernbedienungen parallel — praktisch für Familien mit gemischtem Bestand.

Bei Marantec funktioniert das ähnlich mit dem Digital 868 Funkempfänger, der an den ext-Eingang des Comfort-Antriebs angeklemmt wird. Bei Sommer ist Somloq2-Nachrüstung etwas komplexer, weil der Empfänger oft fest in die Steuerplatine integriert ist. Hier ist Hörmann mit dem austauschbaren Steckmodul-Konzept im Vorteil.

Die Anlernung der neuen Fernbedienungen am 868-MHz-Empfänger unterscheidet sich von Marke zu Marke deutlich — unser Fernbedienung-Anlern-Wizard führt dich Schritt für Schritt durch den Prozess je nach Antriebs-Modell.

Funk frequenz 433 vs 868 mhz umstellung: helpful reference illustration
Funk frequenz 433 vs 868 mhz umstellung

Reichweite optimieren ohne Frequenzwechsel

Wenn ein kompletter Frequenzwechsel zu teuer ist, lässt sich auch die Reichweite auf 433 MHz oft verbessern. Die Antenne am Empfänger ist meist ein einfacher Draht mit definierter Länge: bei 433 MHz idealerweise 17,3 cm (Viertel-Wellenlänge). Ist die Antenne im Antriebsgehäuse gequetscht, eingeklemmt oder direkt am Metallgehäuse geknickt, sinkt der Empfang deutlich.

Verläng die Antenne mit einem 17-cm-Stück Litzendraht und führe sie aus der Garage in Richtung Hauseinfahrt — schon zehn bis fünfzehn zusätzliche Meter Reichweite sind so möglich, ohne einen Cent für neue Hardware auszugeben.

✅ Praktischer Tipp: Achte beim Antennen-Verlegen darauf, dass der Draht keinen Kontakt zu metallischen Teilen hat — Stahlbalken, Aluminium-Tor oder feuchte Wandfeuchte dämpfen das Signal massiv. Ein Plastik-Kabelkanal oder freie Luft sind ideal.

Kosten-Nutzen-Rechnung

Eine komplette Umstellung von 433 auf 868 MHz kostet pro Garage etwa 150 bis 250 Euro: Nachrüst-Empfänger 60 bis 90 Euro, plus zwei bis vier neue Fernbedienungen á 25 bis 45 Euro. Lohnt sich, wenn entweder die Reichweite chronisch zu klein ist oder die Sicherheit ein Thema ist — etwa bei einer freistehenden Garage in einer ruhigen Seitenstraße.

Lohnt sich nicht, wenn die alte Anlage einwandfrei funktioniert und die Fernbedienung bereits einen Rolling-Code hat (erkennbar an einem Kunststoff-Code-Aufkleber, der dynamische Codes nutzt — nicht mit DIP-Schaltern). Solche 433-MHz-Setups mit Rolling-Code sind kryptografisch zwar nicht auf 868-MHz-Niveau, aber für den Wohnbereich völlig ausreichend.

Funk frequenz 433 vs 868 mhz umstellung: detailed close-up view
Funk frequenz 433 vs 868 mhz umstellung

Smart-Home-Integration: Warum 868 MHz auch hier punktet

Wer das Garagentor in HomeKit, Alexa oder Matter einbinden will, profitiert klar von 868 MHz. Adapter-Lösungen wie Tedee GO Smart oder Shelly Plus Garage funken meist auf 868 MHz oder 2,4 GHz WLAN und kommunizieren rückwärts mit dem Antrieb über drahtgebundene Trockenkontakte. Ist der Antrieb selbst noch auf 433 MHz, ist das zwar kein technisches Hindernis, aber es bedeutet eine Mischinstallation mit doppelter Funktechnik in der Garage.

Eleganter ist die Lösung über Hörmann BiSecur Gateway oder Marantec Digital 868 mit WLAN-Modul: Hier wird der Antrieb direkt über das herstellereigene Smart-Home-System eingebunden, ohne zusätzlichen Trockenkontakt-Adapter. Voraussetzung: Antrieb muss 868 MHz sprechen. Damit wird die Frequenzumstellung indirekt zum Smart-Home-Tor-Opener.

Sicherheits-Check vor Code-Grabbing-Angriffen

Ob deine alte 433-MHz-Anlage durch einen Code-Grabber gefährdet ist, kannst du in drei Sekunden prüfen. Schau auf die Fernbedienung: Hat sie sichtbare kleine DIP-Schalter unter der Batterieklappe oder auf der Rückseite (typisch acht oder zehn Mini-Schalter), ist es eine Festcode-Fernbedienung. Solche Codes lassen sich mitschneiden und beliebig oft replizieren — das ist die größte Schwachstelle.

Ist die Fernbedienung dagegen ein modernes Modell ohne sichtbare Schalter und mit einem Hersteller-Logo, das auf Rolling-Code oder "Lernfunktion" hinweist, hast du bereits eine deutlich sicherere Variante. Hörmann "Multi-Bit" ab 2003 und Sommer "Somloq" gelten als sicher gegen Standard-Grabber, aber nicht gegen sehr fortgeschrittene Angriffe wie die seit 2015 bekannten Side-Channel-Attacks auf 433-MHz-Rolling-Codes.

Förderung und steuerliche Absetzbarkeit

Eine Garagentor-Sanierung mit Funk-Modernisierung kann in Deutschland als Handwerker-Leistung in der Steuererklärung angegeben werden. 20 Prozent der Arbeitskosten, maximal 1.200 Euro pro Jahr, sind nach Paragraf 35a EStG abzugsfähig. Wichtig: nur die Arbeitskosten und nicht die Materialkosten zählen, und es muss eine Rechnung mit Überweisung vorliegen — Barzahlung an den Handwerker macht die Absetzbarkeit unmöglich.

Stand: Mai 2026. Direkt-Förderungen für Garagentor-Modernisierungen über KfW oder BAFA gibt es derzeit nicht. Falls dein Tor allerdings im Rahmen einer energetischen Sanierung mit gedämmtem Tor-Element kombiniert wird, kann es als Teil der Hülle förderfähig sein — das ist ein Spezialfall, der mit dem Energieberater geklärt werden sollte.

Veröffentlicht durch die SmartHomePraxis-Redaktion. Veröffentlicht am 10. Juni 2026.

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